Gib niemals auf.

Gib niemals auf.
Gib niemals auf. Niemals!

Donnerstag, 6. März 2014

Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen. - Erich Kästner

Ja, zugegeben, vor allem im Zusammenhang mit einer Krankheit wie der Multiplen Sklerose mag dieser Spruch aufs Erste wirklich bescheuert klingen. Nie im Leben hätte ich mir träumen lassen, dass mir durch die MS das Beste passieren würde, was einem nur passieren kann, dass ich gerade durch diese Krankheit eine Seelenverwandte treffen könnte, eine Freundin, die innerhalb kürzester Zeit nicht nur zu einer besten Freundin, sondern sogar zu einer Schwester wird. Doch genau so war es bei mir.

Angefangen hat alles vor etwas mehr als zwei Jahren mit einem kurzen Eintrag in einem Forum über MS, mit einem Eintrag von einer Lisa, die ebenfalls wie ich mit 17 Jahren die Diagnose Multiple Sklerose gestellt bekam. Welch ein Zufall: auch eine Lisa, die im selben Alter diese niederschmetternde Diagnose erhalten hatte ... nur der Wohnort war verschieden: sie kam von der Ostsee, ich aus Bayern.
Als ich ihren Post gelesen hatte, musste ich erst einmal weinen. Ich weiß nicht, ob ich geweint habe, weil sie mir so Leid tat, weil ich genau nachvollziehen konnte, wie es ihr gehen musste, oder aber vielleicht auch, weil es mir so vertraut vor kam und ich das Gefühl hatte, als wäre das alles bei mir wieder auf Anfang, als würde ich den Alptraum nochmal von vorn durchleben müssen. Doch ich konnte nicht anders, ich musste ihr einfach schreiben, vielleicht konnte ich ihr helfen, schließlich wäre ich damals auch froh gewesen, hätte ich irgendjemanden in meinem Alter gehabt, mit dem ich über Ängste, Gefühle, Hoffnungen reden könnte, der genau das nachempfinden kann, was in einem selbst gerade vorgeht.
Und was soll ich sagen? Ihr zu schreiben war mit Abstand die beste Entscheidung, die ich bisher getroffen habe! Was sich anfangs zu einem häufigen Email-Austausch entwickelte, wurde so unglaublich schnell zu einer wahnsinnig vertrauten Freundschaft, wie man es nur selten erlebt. Emails, SMS, Telefonate, Skypen ... als würde man sich schon ewig kennen. Bis es auch zu den ersten Treffen kam. Die Distanz - Ostsee, Bayern, spielte überhaupt keine Rolle. Ich weiß noch, wie wir zwei Lisas das erste Mal aufeinander trafen - es stand nichts zwischen uns, es war nicht komisch oder verklemmt - es war, als würde man sich nach langer, langer Zeit einfach endlich wieder in die Arme schließen dürfen. Genauso herzlich wurde ich von Lisas Familie und ihrem Freund aufgenommen. Dafür bin ich so unglaublich dankbar. Jeder Moment, den wir zusammen verbracht haben, wird für immer ein ganz besonderer in meinem Leben bleiben. Egal ob im hohen Norden oder bei uns im Süden, jede Stunde, jede Minute war etwas ganz besonderes, voller Freundschaft, Vertrauen, Freude und man könnte sagen Schwesternliebe.

Lisa ist mit Abstand das Beste, was mir durch die Multiple Sklerose passieren konnte. Ich habe in ihr eine Schwester gefunden, eine Seelenverwandte, mit der ich meine Sorgen, Ängste, Probleme, aber auch die schönen Dinge im Leben teilen kann. Wir lachen, und wir weinen gemeinsam, ich weiß, dass ich mich jederzeit auf sie verlassen kann und genauso hoffe ich, dass sie auch weiß, dass ich immer, zu jeder Zeit, für sie da sein werde.

"Auch aus den Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen."
Oh ja, und wie recht doch Erich Kästner mit diesem wunderschönen Zitat hat: denn durch die Steine, die Lisa und mir durch die MS in den Weg gelegt wurden, haben wir uns gefunden, und nur daraus haben wir das meiner Meinung nach tollste bauen können, was man sich nur vorstellen kann: eine feste, tief verankerte Freundschaft. Eine, die hoffentlich - doch da bin ich mir sehr sehr sicher - ein Leben lang bestehen bleibt.

Danke Lischen, dass es Dich gibt, danke, dass Du mir jedes Mal aufs Neue so viel Kraft und Mut spendest, auch wenn ich mal wieder kurz vor der Verzweiflung stehe. Du bist das Beste, was mir passieren konnte!




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